Dirk Burghaus
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„Jeder kann von der Sportexpertise unserer Mediziner profitieren“

Auf NRWs Krankenhäuser kommen große Veränderungen zu. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) stellte kürzlich ein Gutachten vor. Darin heißt es, Ballungszentren seien oft medizinisch überversorgt, ländliche Regionen dagegen tendenziell unterversorgt. Der Minister sieht Handlungsbedarf. Um Schließungen zu entgehen, sollen sich Krankenhäuser deshalb einer neuen Planungsstruktur unterordnen – konkret bedeutet dies Spezialisierung, um durch Erfahrung medizinische Qualität zu erhöhen. Wie schlecht es zudem um die wirtschaftliche Situation vieler Krankenhäuser steht, wurde jetzt mit der Schließung des Marienhospitals in Iserlohn-Letmathe deutlich. Was bedeuten diese Entwicklungen für die Sportklinik Hellersen im benachbarten Lüdenscheid? Das TOP Magazin Sauerland sprach mit Vorstand Dirk Burghaus.

TOP: Herr Burghaus, welche Folgen hat das Gutachten des Gesundheitsministers Laumann und die Schließung des zu den Märkischen Kliniken gehörenden Marienhospitals Letmathe für Hellersen?

Dirk Burghaus: Wir begrüßen sehr, dass Herr Minister Laumann den Mut hatte, neue Wege in der Krankenhausplanung zu gehen. Das daraus resultierende Gutachten sehen wir grundsätzlich positiv, denn als Fachklinik für Orthopädie und Sportmedizin leben wir die Spezialisierung seit vielen Jahrzehnten. Durch hoch spezialisierte Fachbereiche mit insgesamt über 50 Medizinern können wir unseren Patienten für jede Fehlbildung und Erkrankung des Stütz- und Bewegungsapparates den richtigen Spezialisten zur Seite stellen. Und was das Marienhospital betrifft, wir konnten den Chefarzt der Schmerzmedizin, Dr. Wolfgang Welke, und sein Team verpflichten. Er ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet.

TOP: Was versteht man unter Schmerzmedizin?

Dirk Burghaus: Meist besteht bei diesen Patienten schon längere Zeit ein Schmerzleiden, das bisher nicht oder nicht ausreichend behandelt werden konnte. Beispiele sind chronische Rückenschmerzen oder Schmerzen an großen Gelenken als auch Tumorschmerzen. Aufbauend auf unserer seit Jahrzehnten erfolgreich arbeitenden Schmerzmedizin, decken wir mit dem übernommenen Leistungsumfang aus Letmathe nun das gesamte Spektrum der Schmerzmedizin ab – ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in der Region!

TOP: Sie sind seit knapp vier Jahren für die Sportklinik tätig, zunächst als Berater und nun seit über zwei Jahren als Vorstand. Wenn Sie diese Zeit Revue passieren lassen, wie haben sich diese Jahre für Sie bis dato gestaltet?

Dirk Burghaus: Die letzten Jahre waren turbulent, es gab Hochs und Tiefs. Viel Organisationsarbeit war zu leisten, um unternehmerisches Denken in einem so traditionellen Haus mit behördenähnlichen Strukturen zu implementieren. Die Grundsatzfragen sind jetzt geklärt und die Erweiterung der Schmerzabteilung so schnell zu realisieren, das war die Nagelprobe für uns – und die haben wir bestanden.

TOP: Sie haben zuvor lange Zeit als Unternehmensberater für Unternehmen in schwierigen Situationen gearbeitet. Was waren für Sie die größten Herausforderungen an der Gesundheitsbranche?

Dirk Burghaus: Ich habe früher vorwiegend mittelständische Unternehmen saniert. Der Unterschied lag für mich vor allem in der Komplexität der starren Abrechnungssysteme im Gesundheitssystem. Eine Sanierung über Umsatz-/Geschäftsausweitung ist im Gesundheitswesen durch die Reglementierungen nur schwer möglich. Als ich die Klinikleitung übernommen habe, war eine der Hauptherausforderungen eigenverantwortliche Strukturen weiter auszubauen. Unabhängig von den unbeweglichen Abrechnungssystemen ist für eine solide langfristige Basis eines Krankenhauses eine schnelle und flexible Reaktion auf die Anforderungen der Patienten erforderlich. Parallelen zu meiner vorherigen Tätigkeit habe ich in den Entscheidungsstrukturen vorgefunden.

TOP: Wie hat sich das damals im Krankenhausalltag bemerkbar gemacht?

Dirk Burghaus: Dringend notwendige Entscheidungen wurden in der Vergangenheit aufgrund der Entscheidungsschwäche in der Führungsebene häufig nicht umgesetzt. Dieses Phänomen findet man auch in sanierungsbedürftigen Unternehmen häufig wieder.

TOP: Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen?

Dirk Burghaus: Die Führungsebene hat mehr Eigenverantwortung übernommen. Wir haben Verantwortlichkeiten zugeteilt und auch eingefordert. Das heißt, die Entscheidungsfreudigkeit wurde erhöht und Entscheidungen wurden somit schneller getroffen. „Das haben wir hier schon immer so gemacht“ war keine Option mehr für die Zukunftsgestaltung. Auf dieser Basis haben wir auch die interne Organisation grundlegend an die Strukturen eines modernen Klinikbetriebes angepasst.

TOP: Es musste also ein Mentalitätswandel stattfinden. Das stelle ich mir schwierig vor …

Dirk Burghaus: War es auch. Die Kommunikation musste intensiviert und die Basis für einen dauerhaften Veränderungsprozess in den Köpfen aller Mitarbeiter gelegt werden. Positiv eingestellte Mitarbeiter sind der Grundstein für eine dauerhaft positive Entwicklung der Klinik. Inzwischen gibt es eine MitarbeiterApp, die ein Mix zwischen WhatsApp, Facebook und Wikipedia ist. Hier können wir transparent kommunizieren, was uns gerade als Klinik bewegt und was es zum Beispiel für Neuerungen gibt. Und davon gibt es im Gesundheitswesen wahrlich viele (lacht)! Aber nicht nur die Führungsebene kann mit dem Mitarbeiter kommunizieren – auch jeder Mitarbeiter kann so direkt und ohne Hierarchiestufen mit mir in Kontakt treten.

TOP: Was haben Sie sonst noch geändert?

Dirk Burghaus: Neben der Fokussierung auf die bei uns bereits vorhandene medizinische Höchstleistung, stellt die Digitalisierung heute und in Zukunft die größte Herausforderung im Gesundheitswesen dar. In diesem Weiterentwicklungsprozess kommen mir heute sicherlich die langjährigen Erfahrungen aus der mittelständischen Industrie zugute. Hier sind die Prozesse der Digitalisierung bereits deutlich weiter vorangeschritten als im Gesundheitswesen. Für ein Krankenhaus haben wir in den letzten 2,5 Jahren enorme Fortschritte auf dem Weg zur Digitalisierung gemacht – die digitale Patientenakte ist bereits gestartet, ein Online-Check-In wie man ihn vom Flughafen kennt, und die komplett digitale Kommunikation mit Patienten und einweisenden Ärzten steht kurz davor.

TOP: Wie geht es in Zukunft weiter?

Dirk Burghaus: Wichtigster Punkt in unserer Zukunftsstrategie ist es, den begonnenen Weg weiter fortzusetzen und immer weiter nach Verbesserung zu streben. In der Kommunikation und unserer Außendarstellung werden wir unser Profil weiter schärfen, um unsere Spezialisierung noch bekannter zu machen. Alle sollen wissen, dass jede und jeder von der Sportexpertise unserer Mediziner profitieren kann. Schon jetzt freuen wir uns, jedes Jahr mehrere Tausend überregionale Patienten bei uns begrüßen zu dürfen, die sich wegen des guten Rufs und der sehr guten medizinischen Versorgung auf den Weg nach Lüdenscheid machen. Das möchten wir in Zukunft noch weiter entwickeln. Außerdem arbeiten wir mit Hochdruck an der Ausstattung unseres Hauses, um den Wohlfühlfaktor unserer Patienten und Mitarbeiter weiter zu erhöhen. Zusammen mit dem OP-Neubau, der medizinischen und pflegerischen Höchstleistung und dem patientenorientierten Service in unserem Haus ist es unser Ziel, unsere positive Marktstellung weiter zu festigen und auszubauen.

FACHBEREICHE
Die Sportklinik Hellersen ist eine etablierte Fachklinik für Orthopädie und Sportmedizin. Sie verhilft jährlich mehr als 30.000 Menschen zu neuer Mobilität, davon versorgt sie fast 8.000 Patienten stationär. Sie verfügt über 260 Betten und beschäftigt ca. 380 Mitarbeiter.

• Endoprothetik
• Kniechirurgie
• Schulter-, Ellenbogenchirurgie
• Handchirurgie
• Knie
• Plastische und Ästhetische Chirurgie
• Fuß- und Spunggelenkchirurgie
• Kinderorthopädie
• Konservative Orthopädie
• Wirbelsäulenchirurgie
• Sporttraumatologie
• Ästhetische Chirurgie
• Sportmedizin
• Schmerzmedizin

Sportklinik Hellersen
Paulmannshöher Straße 17
58515 Lüdenscheid
Telefon: 02351 945-0
Telefax: 02351 945-2364
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www.sportklinik-hellersen.de