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„VON DEN FAHRVERBOTEN PROFITIERT KEINER“

TOP Mag­azin: Herr Pro­fes­sor Köh­ler, Sie haben sich bere­its in di­versen Me­di­en dazu geäußert, wie sehr das The­ma Die­sel-Fahrver­bote und Fein­s­taub­be­las­tun­gen aus Ihr­er Sicht „aufge­bauscht“ wird. Warum liegt es Ih­nen am Herzen, mit Ihr­er Mei­n­ung an die Öf­fentlichkeit zu ge­hen?

Pro­fes­sor Di­eter Köh­ler: Nun, dass die Ge­fähr­lichkeit von Fein­s­taub und NOX (chemische Abkürzung für Stick­stof­foxide – Anm. d. Red.) im Gren­zw­ert­bereich eine Seifen­blase ist und keine Ge­fahren davon aus­ge­hen, sage ich schon länger. Jet­zt, durch die Die­sel­fahrver­bote, ist da­raus ein Me­di­en­hype ge­wor­den. Ich habe mich mein ganzes Leben im­mer über of­fen­sichtliche Un­gerechtigkeit und Feh­lin­for­ma­tion geärg­ert und auch ver­sucht, dage­gen anzuge­hen, soweit ich da­rauf Ein­fluss hatte. Im Prinzip se­he ich das auch als Bringschuld an unsere Ge­sellschaft, von der ich auch sehr viel pro­f­i­tiert habe.

TOP Mag­azin: Jet­zt kön­nte man ver­muten, dass die Fahrver­bote zu­gun­sten der E-Mo­bil­ität aus­ge­sprochen wer­den, die Bun­des­regierung al­so der Drahtzie­her ist. Tat­säch­lich, so sa­gen Sie, steckt aber die Wis­sen­schaft dahin­ter und hat der Regierung keine an­dere Wahl mehr ge­lassen. Kön­nen Sie diese Zusam­men­hänge ein­mal ge­nauer erk­lären?

Pro­fes­sor Di­eter Köh­ler: An den Fahrver­boten ist die Pol­i­tik im Prinzip un­schuldig, besten­falls an der Art der Um­set­zung hat sie An­teil. Das Problem ist die ver­gleich­sweise kleine Forscher­gruppe – die ich von früher noch kenne, da ich mit die­sen Fra­gen vor 35 Jahren ha­bil­i­tiert habe –, welche, an­fangs aus guter Ab­sicht, die Stu­di­en ex­trem ein­seitig in­ter­pretiert hat. Wenn man ein­mal dann eine solche Ide­olo­gie aufge­baut hat, kommt man aus dies­er Num­mer nicht mehr raus. Früher hat das kei­nen in­teressiert, da es prak­tisch keine Be­deu­tung hatte. Jet­zt durch die Fahrver­bote wird die Un­wis­sen­schaftlichkeit dies­er Dat­en de­maskiert.

TOP Mag­azin: Wie ste­hen Sie denn zur E-Mo­bil­ität?

Pro­fes­sor Di­eter Köh­ler: Die E-Mo­bil­ität ist natür­lich keine Lö­sung des Problems, denn derzeit pro­duzieren die min­destens ge­nau­so viel CO2 wie die an­deren Au­tos, wenn auch an an­der­er Stelle, näm­lich im Kraftw­erk. Zu­dem wird es weit­er­hin Ver­bren­nungs­mo­toren in bes­timmten Bereichen geben, später natür­lich mit syn­thetischen Kraft­stof­fen. Die En­ergiedichte von Koh­len­wasser­stof­fen – insbe­son­dere Die­sel – ist durch die Bat­te­rien auch in der Zukunft nicht an­näh­ernd zu er­reichen. Zu­dem kommt noch ein gewiss­es Problem ger­ade im Sauer­land hinzu, denn im Win­ter bei Kälte benötigt man mehr als die Hälfte der Bat­terieleis­tung allein für die Heizung des In­nen­raums. Damit sch­milzt die Reich­weite dahin.

TOP Mag­azin: Dass die Au­toin­dus­trie davon pro­f­i­tiert, wenn äl­tere Die­sel nicht mehr fahren dür­fen, ist klar. Sind das denn die großen Gewin­n­er? Wer pro­f­i­tiert sonst noch von den Fahrver­boten und in welch­er Form?

Pro­fes­sor Di­eter Köh­ler: Die Au­toin­dus­trie, die die Soft­ware in krimineller Ab­sicht ma­nip­uliert hat, musste insbe­son­dere in den USA auch viele Ver­luste hin­neh­men, was in dem Fall auch ein­deutig gerecht­fertigt war. Allerd­ings lässt sie die Die­sel­fahr­er im­mer noch im Re­gen ste­hen. Jet­zt die et­was äl­teren Fahrzeuge durch neue zu ersetzen ist natür­lich nicht be­grün­det, da, wie er­wäh­nt, die leichte Über­schre­i­tung von NOX über­haupt keine Ge­sund­heits­ge­fahr darstellt. In den USA ist der Gren­zw­ert um 100 µg pro Ku­bik­me­ter, am Ar­beit­s­platz dort übri­gens 9.500 µg pro Ku­bik­me­ter, ähn­lich hoch wie in der Sch­weiz mit 6.000 µg pro Ku­bik­me­ter. (Die aktuellen Fahrver­bote dro­hen, wenn der Gren­zw­ert von 40 μg pro Ku­bik­me­ter über­schrit­ten wird. Am Ar­beis­platz gel­ten hi­erzu­lande 950 μg, Anm. d. Red.)

An­son­sten pro­f­i­tiert von den Fahrver­boten kein­er – wenn man von dem Abmah­n­verein, der Umwelthilfe, ab­sie­ht. Die Au­tos fahren durch die Ver­bote größere Umwege und pro­duzieren da­durch deut­lich mehr CO2. Zu­dem nimmt die Verkehrs­dichte weit­er zu, da mehr Staus ent­ste­hen durch die Fahrver­bote, denn die Straßen wer­den an den Messstellen oft ein­spurig ge­macht.

 
TOP Mag­azin: Das macht das Ganze noch unsin­niger. Al­so The­mawech­sel: Sie waren fünf Jahre lang, von 2002 bis 2007, Vize- und dann Präsi­dent der Deutschen Ge­sellschaft für Pneu­molo­gie und Beat­mungsmedizin, lehrten an den Uni­ver­sitäten Mar­burg und Freiburg und waren fast 28 Jahre lang ärztlich­er Di­rek­tor des Fachkranken­haus­es Kloster Graf­schaft in Sch­mal­len­berg. Seit 2013 sind Sie im Ruh­e­s­tand und kri­tisieren auch im­mer wied­er die Phar­main­dus­trie. Was sind in die­sem Bereich ger­ade Ihre Sch­w­er­punkt­the­men und warum?

Pro­fes­sor Di­eter Köh­ler: Wie oben er­wäh­nt, stört mich Un­gerechtigkeit. Dies auch bei Phar­ma­fir­men, was ich für mein Fachge­bi­et gut beurteilen kann. Sie sprechen ver­mut­lich das Beispiel mit No­var­tis an, als ich deren un­ethische Studie in einem Ed­i­to­rial für eine Zeitschrift kri­tisiert habe. Ich sollte da­mals den Na­men der Phar­ma­fir­ma in meinem Ed­i­to­rial streichen, da man sonst ei­nen großen Anzei­genkun­den ver­lieren würde. Ich habe da­raufhin die Her­aus­ge­ber­schaft der Zei­tung nied­ergelegt, was in den Me­di­en ei­nen ziem­lichen Wir­bel verur­sachte.

TOP Mag­azin: Wenn Sie sich nicht ger­ade damit be­fassen, spielen Sie Golf. Sie sind Präsi­dent des Golf­clubs Sch­mal­len­berg. Wo liegt denn Ihr Hand­i­cap? 

Pro­fes­sor Di­eter Köh­ler: Im Mo­ment bei 10,9.

Erschienen in: TOP MAGAZIN SAUERLAND 4/2018