In Daytona Beach können Badegäste auf 25 der 36 Strandkilometer mit dem Auto fahren und parken. (Foto: Julie Fletcher)

Ein Blick hinter die Kulissen Floridas

Der Sunshine State lässt sich durch eine große Vielfalt an unterschiedlichen Reiseformen entdecken. Um das Meiste aus seinem Floridabesuch herauszuholen, lohnt sich jedoch eine Rundreise mit dem Auto. Denn nur auf diese Weise erleben Urlauber den Ausblick sowohl auf Küste und Ozean als auch auf die naturbelassene Landschaft abseits der Strände. Die Hilfsbereitschaft der Einheimischen, kuriose Städte und einzigartige Erfahrungen sind einige Gründe, die dafür sprechen, aus dem nächsten Florida-Urlaub einen Roadtrip zu machen.

Wir beginnen unsere Rundreise im Westen Floridas, eine Autostunde nördlich von Tampa. Als vor fast 500 Jahren spanische Seefahrer Florida besiedelten, hielten sie Manatees fälschlicherweise oft für Meerjungfrauen. Ganz falsch lagen sie damit aber nicht, denn in Weeki Wachee begeistern seit 1947 Meerjungfrauen ihr Publikum. Bei einer der ältesten Attraktionen im Amphitheater des Weeki Wachee Springs State Park holen die Darstellerinnen während ihrer Interpretation von Hans Christian Andersens „Kleiner Meerjungfrau“ durch die fest installierten Luftschläuche des Beckens Luft – begleitet von Schildkröten, Fischen und selbstverständlich Manatees.

Unsere nächste Reisestation befindet sich an der Ostküste. Kein anderer amerikanischer Bundesstaat ist im bekannten Strandranking des promovierten Küstenforschers Dr. Leatherman, besser bekannt als Dr. Beach, öfter vertreten als der Sunshine State. Den „berühmtesten Strand der Welt“ gibt es eine Autostunde nördlich von Orlando, in Daytona Beach. Denn hier können Badegäste auf 25 der 36 Strandkilometer mit dem Auto fahren und parken – natürlich nach strengen Vorschriften. Gerade für europäische Touristen ist das schwer zu glauben. So merkwürdig dies jedoch erscheinen mag, so einleuchtend ist der historische Grund: Als das Automobil erfunden wurde, gab es schlichtweg nicht genügend geeignete Teststrecken – ein kilometerlanger, ebener Sandstrand war zu der Zeit die ideale Lösung, und diese Tradition wird bis heute aufrechterhalten.

Eine Stunde weiter südlich erhebt sich mit dem Kennedy Space Center das größte Raumfahrtzentrum der Welt – und zugleich ein Stück amerikanische Geschichte. Denn nur vom berühmten Weltraumbahnhof bei Cape Canaveral starteten zwischen 1968 bis 2011 alle bemannten

Raumflüge der NASA. Heute erleben Besucher neben einer Führung durch die Geschichte der Raumfahrt zahlreiche Attraktionen und bestaunen unter anderem das Original-Shuttle der Atlantis, das unmittelbar nach seinem letzten Einsatz hier ausgestellt wurde – übrigens ohne vorher gereinigt zu werden. Ein Geheimtipp: Jeden Mittag haben Besucher gegen Aufpreis die Möglichkeit, einen Astronauten zu treffen, bei einem Lunch mehr über seine Missionen zu erfahren und anschließend ein gemeinsames Foto und ein Autogramm zu bekommen. Hierfür wechseln sich in regelmäßigen Abständen die NASA-Astronauten ab.

Für die Lieben, die zu Hause bleiben mussten, gibt es einen charmanten wie einmaligen Urlaubsgruß aus einer Stadt, die immer Weihnachten feiert. In Christmas, einem kleinen Ort mit 1.200 Einwohnern 30 Minuten von Orlando, stehen in der Vorweihnachtszeit Besucher des örtlichen Postamtes Schlange, um den besonderen Poststempel zu erhalten. Passend zum Ortsnamen lassen hier auch viele Einwohner die Weihnachtsdekoration ganzjährig hängen.

Danach heißt es zurück in den Mietwagen und knappe eineinhalb Stunden südwestlich in Lake Wales, am sogenannten Spook Hill, an einer weißen Markierung anhalten – und den Hügel nach oben rollen? Genau das passiert hier wirklich, wenn man den Anweisungen neben der Straßenmarkierung folgt. Der Legende nach ist das mysteriöse Schauspiel am Spook Hill auf einen Kampf der Ureinwohner gegen einen Riesenalligator zurückzuführen. Wer weiß?

Ähnlich beeindruckend – aber aus völlig anderen Gründen – ist Solomon’s Castle, etwa 100 Kilometer von Spook Hill oder eine Autostunde östlich von Sarasota entfernt. Denn hier hat sich 1974 der Künstler Howard Solomon niedergelassen, um das weltweit einzige Schloss aus Zeitungsdruckplatten zu errichten. Zufällig hatte er in einer Annonce davon gelesen, dass eben jene Platten für zehn Pence das Stück verkauft werden – eigentlich gedacht für die Befestigung privater Hühnerfarmen. Heute können Urlauber das Schloss, welches nun die Kunstwerke des exzentrischen Künstlers beherbergt, besichtigen.

Zum Abschluss des Roadtrips verschlägt es Besucher weiter Richtung Süden – auf der Suche nach dem besten Rezept für Floridas Staatskuchen, den Key Lime Pie. Seit einem Beschluss im Jahr 2006 ist dieser „offizieller Florida State Pie“, denn etwa zwei Drittel der in den USA verbrauchten Zitrusfrüchte stammen aus Florida. Seitdem herrscht ein großer Konkurrenzkampf, wer nun zwischen Key Largo und Key West den besten oder ursprünglichsten Key Lime Pie herstellt. Die Entscheidung kann keinem Urlauber abgenommen werden; es gilt, selbst die Florida Keys zu bereisen und den berühmten Limettenkuchen möglichst oft zu probieren.