Gold ist TRUMPF

Es glänzt, es blinkt, es schmückt – und es liegt gut in der Hand: Seit jeher übt Gold eine starke Anziehungskraft auf den Menschen aus. Schon früh wurde es für rituelle Gegenstände verarbeitet, seine sonnengleiche Farbe faszinierte Priester, Kaiser und Könige. Kein Zweifel: Das edle Metall ist ein Stoff, der Begehrlichkeiten weckt. Die Gier nach Gold war ein maßgeblicher Ansporn zur Eroberung Südamerikas und lockte unzählige Abenteurer und Siedler in den amerikanischen Westen. Die Herrscher des römischen Reichs eigneten sich innerhalb von dreihundert Jahren alle bis dahin bekannten Goldschätze und -quellen an. Und auch im 21. Jahrhundert hat das Edelmetall nichts von seiner Faszination verloren. Zum größten Teil wird es zu Schmuck und Kunstgegenständen verarbeitet, aber auch als Geldanlage gehortet. 

Die ältesten Goldfunde datieren aus dem 5. Jahrhundert vor Christus. In Ägypten sowie bei den Inkas und Azteken wurde das Metall ausschließlich zu spirituellen Objekten verarbeitet. Im Glauben, dass es dem Menschen zur Unsterblichkeit verhelfen könne, hüllten die Ägypter ihre verstorbenen Pharaonen in Gold und füllten ihre Grabkammern mit Schätzen von immensem Wert: So wog der zentrale Sarg aus massivem Gold im Grab des Tutanchamun über 100 Kilo. 

Die Römer verarbeiteten das Edelmetall zu Münzen und statteten Statuen und Tempel geradezu verschwenderisch damit aus – eine Demonstration von Reichtum und Macht, die Ihresgleichen suchte. Als Christoph Kolumbus auf der Suche nach Indien in Südamerika landete, entdeckte er eher zufällig die einzigartigen Schätze der Azteken. Viele Funde an Ausgrabungsstätten zeugen noch heute von dem regelrechten Goldfieber, das die ehemalige Hochkultur ergriffen hatte. Die Herrscher horteten gigantische Mengen in Hallen und unterirdischen Tunnelsystemen, auf den Diebstahl von Gold stand die Todesstrafe. Bei der Eroberung des Aztekenreichs durch die spanischen Konquistadoren wurden ganze Schiffsladungen voller Gold nach Europa transportiert, und bis heute treibt Archäologen die Suche nach Eldorado um – der legendären Aztekenstadt aus purem Gold. 

Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neue Goldvorkommen in den USA gefunden wurden, schipperten viele Europäer in der Hoffnung, in der neuen Welt ihr Glück finden, über den großen Teich. Nur die Wenigsten gelangten dabei aber tatsächlich zum erhofften Reichtum. Die meisten Goldgräber mussten der Tatsache ins Auge sehen, dass das Metall selten und seine Gewinnung mühsam ist.

Heute beträgt die Weltjahresproduktion von Gold durchschnittlich etwa 2.570 Tonnen. 50 bis 60 Prozent des vorhandenen Goldvolumens werden zu Schmuck- und Luxusgegenständen aller Art verarbeitet, 18 Prozent sind im Besitz der Zentralbanken, etwa ein Fünftel befindet sich in Form von Barren und Münzen in privatem Besitz. Die Menge an Gold, die in der kompletten Menschheitsgeschichte gefördert wurde, ist mit 155.000 Tonnen verhältnismäßig klein – die Seltenheit des Edelmetalls bestimmt seinen Wert maßgeblich mit. 

Gold steht vor Platin auf Platz 75 in der Elementenhäufigkeitsliste. Das Edelmetall findet sich bis zu einer Tiefe von 16 Kilometer in der Erdkruste und kommt meist in elementarer Form vor, ist aber zuweilen mit anderen Metallen wie Silber, Kupfer oder Bismut verunreinigt. Ursprünglich stammen Goldklumpen oder -nuggets aus Quarzgängen, die bei Verwitterung von Wasser weggewaschen wurden. Aufgrund der hohen Dichte des Edelmetalls lagert es sich später im Flusssediment ab und kann, im einfachsten Fall, aus dem Sand herausgewaschen werden. Beim industriellen Goldabbau wird durch eine chemische Reduktion Reingold gewonnen: Goldhaltiges Erz wird mit einer Cyanidlösung überschüttet, in der sich das Gold löst.

Das größte bekannte Goldvorkommen der Erde befindet sich in der Südafrikanischen Republik: Der Goldgehalt am Witwaterstrand beläuft sich auf etwa 45 Gramm pro Tonne Quarzgestein. Darüber hinaus gehören Australien, die USA und Russland zu den wichtigsten Förderländern. Deutschland spielt in dieser Hinsicht keine bedeutende Rolle – hierzulande gewinnt man Gold in kleinen Mengen aus Bleiglanz und Kupferkies. Weitgehend unangetastet blieben bisher die in den Weltmeeren vermuteten Goldvorkommen: Sie zutage zu fördern, wäre schlicht zu teuer. Der bisher größte Goldklumpen wurde indes im australischen Kalgoorlie gefunden und brachte 71 Kilogramm auf die Waage. 

Eine glänzende Wertanlage 

Je weiter sich der Mensch im Laufe der Geschichte von einem spirituellen Weltbild entfernte, desto ausgeprägter wurde sein Bedürfnis nach materieller Sicherheit. 550 vor Christus erfand der für seinen Wohlstand bekannte König Krösus in Lydien das Prinzip der Münzprägung, auch die Ägypter trieben regen Handel mit Schmuck und Goldbarren. Umso bemerkenswerter, dass sich bis heute kaum etwas am Wert des Goldes und am Vertrauen in seine Beständigkeit geändert hat: Gold gilt als sicheres, weltweit akzeptiertes und letztgültiges Zahlungsmittel. 

Gerade in Zeiten drohender oder akuter Wirtschaftskrisen steigt der Goldpreis regelmäßig nach oben. In den Achtzigerjahren etwa konnten viele Juweliere ihr Unternehmen lukrativ verkaufen, weil sich aufgrund der gut gefüllten Warenlager der Wert plötzlich verdreifacht hatte. Nachdem die Zentralbanken dann rund 20 Jahre lang ihre Golddepots reduziert hatten, wurde ab 2010 wieder im großen Stile aufgestockt – und die ungebrochene Nachfrage aus Indien und China begünstigte den Aufwärtstrend zusätzlich. Die Corona-Krise hat den Goldpreis auf ein neues Rekordhoch getrieben. 

Im Gegensatz zu Stoffen wie Erdöl oder Gas kommt dem Edelmetall als industrieller Rohstoff kein bedeutender Stellenwert zu. Die Gründe des scheinbar unerschütterlichen Vertrauens der Menschen in Gold liegen vielmehr in der Geschichte, genauer gesagt im Mittelalter. Damals war Gold das Zahlungsmittel schlechthin und als solches besonders gut einschätzbar, denn sein Gewicht entsprach in etwa seinem Wert. Als später neue Zahlungsmittel wie Papiergeld etabliert wurden, mussten die Banken, um das Vertrauen in die scheinbar wertlosen Scheine zu stärken, garantieren, dass jederzeit genug Gold zum Umtausch vorhanden sein würde. Und obwohl Gold schon seit 1978 nicht mehr zu den Währungsmetallen gehört, horten es die Notenbanken bis heute in ihren Kellern. Sicher ist sicher. 

Für die Besitzer von Goldbarren und -münzen ist der aktuelle Preisschub durchaus angenehm, denn das eigene Vermögen wächst damit kontinuierlich. Anlage-Experten sind sich einig, dass sich an diesem Aufwärtstrend so schnell nichts ändern wird. Angesichts des Umfeldes, also steigender Corona-Infektionszahlen, zunehmender Existenzprobleme zahlreicher Unternehmen und eines nach wie vor fehlenden Impfstoffes, ist eine weitere Preissteigerung durchaus wahrscheinlich. 

Unverarbeitetes Gold ist als Wertanlage grundsätzlich besser geeigneter als Schmuck, da Schmuckgold in den meisten Fällen nicht über einen hohen Reinheitsgehalt verfügt – nur in Legierungen, also Mischungen mit festeren Metallen, wird es stabil genug für die Verarbeitung. 24 Karat entsprachen lange Zeit dem technisch höchstmöglichen Reinheitsgrad von 99,9 Prozent. Heute wird die Reinheit von Gold in Promille gemessen: Ein Stempeleindruck von 750 bedeutet einen 75-prozentigen Goldgehalt. Einem Laien ist es übrigens nicht möglich, die Echtheit bzw. Feinheit eines Goldstücks zu definieren. Wer also wissen will, wie wertvoll die eigenen Schmuckstücke sind, sollte sie von einem Fachmann begutachten lassen.

Auf dem Goldmarkt angeboten werden geprägte oder gegossene Feingoldbarren mit einem Gewicht von einem bis 1.000 Gramm sowie Münzen. Bekannt sind vor allem der Krügerrand (1 Unze), der Maple Leaf (1 Unze) und der Australische Nugget (1/2 Unze). Mini-Goldbarren gibt es in Stückelungen von einem Gramm, 2,5 Gramm, 5 Gramm etc. – aufgrund der Wertbeständigkeit eignen sie sich besonders gut als Geschenk zum runden Geburtstag, zur Kommunion oder Konfirmation. 

Handwerk mit goldenem Boden

So lang die Tradition der Goldverarbeitung auch ist – die Methoden, mit denen das Metall bearbeitet wird, haben sich bis heute kaum verändert. Ein hohes Maß an Sorgfalt und Geduld legen Vergolder an den Tag, die mit hauchdünnen Goldblättern historische Objekte restaurieren oder Kunst- und Einrichtungsgegenstände fertigen. Eine Rolle spielt Gold darüber hinaus in der Zahnmedizin, in der Elektronik und in der Optik, wo es in Sonnenschutzgläsern und Reflektoren verarbeitet wird. Den größten Teil der (Kunst-)Handwerker, die mit Gold arbeiten, stellen jedoch Goldschmiede und Schmuckdesigner: Für sie ist Gold zunächst einmal ein Werkstoff, aus dem sie mit enormer Präzision, Geschick und Kreativität formvollendete Objekte und Preziosen schaffen.

Demonstrierte man früher mit dem Tragen auffälliger Schmuckstücke in erster Linie seinen Status, gilt es heute als unangebracht, sich mit zu viel Edelmetall zu behängen. Dicke Goldketten entlarven den Träger zumindest in unserem Kulturkreis als protzigen Möchtegern. In vielen arabischen Ländern ist es hingegen auch heute noch üblich, sich üppig mit Gold zu schmücken. 

Hierzulande ist Goldschmuck zwar wieder im Kommen, doch man trägt ihn dezent: Die Welt des Luxus hat den Charme der Diskretion wiederentdeckt. Ob dabei Gelb-, Weiß- oder Rotgold gewählt wird, bleibt ganz dem Geschmack der Trägerin überlassen, der Klassiker ist und bleibt jedoch die gelbe Variante. Der Farbe der Sonne attestieren viele Schmuckfans die größte Sinnlichkeit – möglicherweise wirkt der warme Ton inspirierender als das kühlere weiße Material. Grundsätzlich verbinden viele Träger mit Goldschmuck einen positiven, warmen Charakter. Schlichte Kreuze, wie sie beispielsweise zur Kommunion verschenkt werden, und Eheringe aus Gold gehören zu den beliebtesten Schmuckstücken überhaupt. Der schlichte Goldreif ist so zeitlos wie symbolstark: Er steht für wahre Werte und verkörpert ein Stück Ewigkeit.

Mythen und Legenden 

Gold ist im wahrsten Sinne des Wortes legendär, denn eine Vielzahl von Mythen rankt sich um das edle Metall. In den Märchen aus 1.001 Nacht wurden aus ihm prunkvolle Gewänder gewoben, und auch das heimische Rumpelstilzchen spann es auf seinem Spinnrad. Die Rheintöchter aus der Nibelungensaga hüteten ihren kostbaren Goldschatz in den Tiefen des Flusses, und die Inkas waren davon überzeugt, dass Goldstücke nicht anderes als Tränen sind, die auf die Erde treffen, wenn die Sonne weint. Der Wagen des griechischen Sonnengottes Helios ist ebenso aus Gold wie der berüchtigte Pfeil des Eros, während das Goldene Vlies bis heute symbolhaft für den Ge- und Missbrauch von Macht steht. Auch im alten Ägypten spielte Gold eine wichtige mythische Rolle: Alle Schmuckgegenstände der Könige und Priester sowie Opfergaben für die Götter bestanden aus Gold.

Ebenfalls ins Reich der Legenden gehört übrigens die bekannte Szene aus dem James Bond-Klassiker „Goldfinger“. Sein Opfer zu vergolden, mag von Stil zeugen – töten wird man es auf diese Art und Weise allerdings nicht. Lange spekulierten Cineasten, ob Goldfingers Gehilfin Jill Masterson, deren Körper vollständig mit Gold überzogen wurde, durch die unterbundene Hautatmung starb. Medizinisch ist diese These kaum haltbar: Da Menschen hauptsächlich über die Lunge atmen, kann ein Überzug der Haut nicht zum Ersticken führen – durch die eingeschränkte Transpiration des Körpers kann es allerdings zu Hitzewallungen und Kurzatmigkeit kommen.

Alchemie: Aus Schrott werd‘ Gold

In der Antike und im Mittelalter kursierten Schriften, in denen die Umwandlung von Metallen in Gold beschrieben wird. Als Urvater der sogenannten Alchemie gilt der aus Ägypten stammende Gelehrte Hermes Trismegistos, später erweiterte der griechische Philosoph Aristoteles die antike griechische Naturphilosophie und die Lehre der vier Elemente um die „Halbwissenschaft“. Ausgehend von der Annahme, dass Materie passiv und geistig formbar ist, versuchten sich zahlreiche Alchemisten in der Destillation von Essenzen, der Trennung von Substanzen durch Erhitzung und deren Verschmelzung zu neuen Verbindungen. Im Mittelalter gehörten sie zu den Höfen wie Musiker und Narren: Die Vorstellung, aus niederen Metallen wie Blei eines Tages tatsächlich Gold herzustellen, überzeugte so manchen Herrscher, der magere Zeiten am Horizont aufziehen sah.

Auch wenn bis heute kein Verfahren bekannt ist, mit dem sich Gold künstlich herstellen lässt und die Alchemie weithin als Humbug belächelt wird, so ist ihr Hauptprinzip aktueller denn je: In Wissenschaft und Technik ist es heute gang und gäbe, aus günstigen, gut verfügbaren Rohstoffen hochwertige Produkte zu erstellen. Und auch allgemein anerkannte Wissenschaftler wie Robert Boyle, der Mitbegründer der modernen Chemie, und Isaac Newton befassten sich immer mal wieder mit alchemistischen Schriften.

Der goldene Schnitt

Gar nicht esoterisch, gleichwohl faszinierend: Streckenverhältnisse im Goldenen Schnitt werden seit der griechischen Antike als Inbegriff von Ästhetik und Harmonie angesehen. Der Goldene Schnitt (lateinisch: sectio aurea) definiert eine Proportion als die vollkommenste. Sie wird vom menschlichen Wahrnehmungssystem als harmonisch und ästhetisch empfunden und kann auch in der Natur vielerorts beobachtet werden kann. Zwei Strecken stehen im Verhältnis des Goldenen Schnittes, wenn sich die größere Strecke zur kleineren Strecke verhält wie die Summe aus beiden Strecken zur größeren Strecke. Die geometrische Figur, die in ihrer Struktur den Goldenen Schnitt am besten darstellt, ist das Pentagramm. Der Goldene Schnitt wird durch die Goldene Zahl φ (Phi) determiniert. Sie hat den Wert: φ = (1 + √5) / 2 = 1,618 033 989 und zeichnet sich durch eine Reihe besonderer mathematischer Eigenschaften aus. 

Der Mathematiker Leonardo da Pisa, auch Fibonacci genannt, stellte im Jahr 1202 die berühmte Kaninchenaufgabe: Ausgehend von der These, dass jedes Kaninchen im Alter von zwei Monaten fortpflanzungsfähig wird und fortan mit seinem Partner jeden Monat ein neues Paar zur Welt bringt, berechnete er die Entwicklung einer Kaninchen-Population auf der Basis eines Paars. Ergebnis war die sogenannte Fibonacci-Folge, eine unendliche Zahlenreihe, bei der sich die jeweils folgende Zahl durch Addition der beiden vorherigen Zahlen ergibt: 0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13… Die Fibonacci-Zahlen sind eng verwandt mit der Goldenen Zahl: Bildet man die Quotienten zwei benachbarter Zahlen aus der Fibonacci-Folge, so zeigt es sich, dass je größer diese Zahlen sind, desto näher der Quotient bei der Goldenen Zahl φ liegt.

In der Pflanzenwelt lassen sich in diesem Zusammenhang die sogenannten Fibonacci-Spiralen beobachten – etwa bei Tannenzapfen oder in den Blütenständen von Sonnenblumen. Die Pflanzen sind dabei so organisiert, dass den einzelnen Samen Blätter entsprechen – jedes einzelne kann einem eigenen Kreis um den Mittelpunkt des Blütenstandes zugeordnet werden. Im äußeren Bereich von Sonnenblumen finden sich 34 und 55, 55 und 89 oder sogar 89 und 144 Spiralen. Die Abweichung vom mathematischen Goldenen Winkel beträgt dabei weniger als spektakuläre 0,01 Prozent.