REGIONALES

Samstag, 22 Juni 2024

Der Golfsport boomt

Der grüne Sport verzeichnete 2020 nach Angaben des Deutschen Golf Verbandes (DGV) einen Zuwachs von 1,4 Prozent auf jetzt 651.417 registrierte Mitgliedschaften in deutschen Golfclubs. Dazu kommen nach einer DGV-Studie 1,5 Millionen nicht organisierte Golfspieler. 2021 sind übrigens neue Handicap-Regeln in Kraft getreten. Und im Rahmen seines Projekts „Golf & Gesundheit“ hat der DGV gemeinsam mit dem European-Tour-Spieler Maximilian Kieffer Fitnessübungen entwickelt, damit Golferinnen und Golfer mit mehr Spaß länger am Ball bleiben.

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(Foto: Adobe Stock)

„Der Golfsport bietet als Individualsport im Freien die perfekten Voraussetzungen für eine weitgehend Corona-­sichere Sportausübung. Daher wurde der Golfsport von der Corona-­Krise nicht nur wenig betroffen, sondern im Gegenteil, vielerorts hat unser Sport sogar erheblich gewonnen“: Claus M. ­Kobold, Präsident des Deutschen Golf Verbandes, zeigte sich bei der Präsentation der Zahlen für 2020 mehr als zufrieden. „Offensichtlich haben viele Sportler, die ihre angestammte Sportart nicht mehr ausüben konnten, den Golfsport als sichere Alternative entdeckt“, führt Kobold Gründe für den Zuwachs von mehr als 8.700 registrierten Mitgliedschaften in den Golfclubs und Golfanlagen an. Eine ähnlich hohe Steigerung wurde zuletzt 2012 erzielt, damals mit einem Plus von 1,7 Prozent.


Erstmals seit 2010 war auch wieder ein Zuwachs bei Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen. „Insgesamt machen sich die enormen Aufwendungen wie beispielsweise mit dem bundesweiten DGV-Schulgolfprojekt ‚Abschlag Schule‘ oder etwa die Auswirkungen des Influencer-Camps bezahlt, das ja eben genau auf diese Zielgruppe abzielt“, blickt DGV-Sportvorstand Marcus Neumann positiv auf die Zahlen. Im Rahmen einer Befragung der DGV-angehörigen Golfanlagen Ende Oktober 2020 hatte der Verband auch nach den Erwartungen bezüglich der Mitgliederentwicklung für das Jahr 2021 gefragt. 50 Prozent der Antwortenden gehen dabei auch 2021 von einer positiven Mitgliederentwicklung aus, insbesondere in der Altersgruppe 26 bis 49 Jahre. Die positive Erwartung deckt sich auch mit den Ergebnissen der neuesten Studie des DGV, der Nachfrageanalyse Golf. Demnach haben 1,533 Millionen Golfspieler in Deutschland keine DGV-registrierte Mitgliedschaft auf einer deutschen Golfanlage – fast 580.000 Personen mehr als bei der letzten Befragung 2016.


Das neue World Handicap System
Seit 2021 gilt übrigens auch in Deutschland das World Handicap System (WHS) mit den neuen Handicap-Regeln. Nach Ansicht des DGV ist es nicht nur international einheitlich, sondern zugleich auch vorteilhafter als das alte Vorgabensystem. Was die Berechnungsmethode anbelangt, wird der Handicap-Index nun als Mittelwert der besten acht aus den jeweils letzten 20 Handicap-relevanten Ergenissen ermittelt. Die durchschnittliche Neuberechnung nach jeder Runde unterstützt die Feststellung der aktuellen Spielstärke. Positive Ausreißer werden relativiert, während negative möglicherweiseunberücksichtigt bleiben.


Dementsprechend enthält der Scoring ­Record nur die neuesten 20 Einträge. Bei weniger als 20 Ergebnissen wird der Handicap-Index auf einer schmaleren Datenbasis kalkuliert. So wird zum Beispiel bei bis zu fünf Einträgen der niedrigste zugrunde gelegt. Bei sieben bis acht Ergebnissen zählt der Durchschnitt der besten zwei, bei 15 bis 16 Turnierteilnahmen der Durchschnitt der niedrigsten fünf. Durch den Wechsel zum WHS verliert die bisherige EGA-Vorgabe (EGA = European Golf Association) ihre Gültigkeit. Damit entfallen die bisherigen Vorgabenklassen und auch Spieler der alten Vorgabenklasse 1 können zukünftig Handicap-relevante Privatrunden spielen und an Neun-Löcher-Turnieren teilnehmen.


Seine Stärken zeigen die neuen Regeln besonders bei häufigen Turnierteilnahmen. Je mehr Ergebnisse man erzielt, desto genauer spiegelt der Handicap-Index die aktuelle Spielstärke wider. Nur so ist ein Fairplay im Wettstreit um Nettoplatzierungen möglich. Deshalb sind seit 2021 alle Einzel-Zählspielturniere (auch nach Stableford) von Mai bis September immer Handicap-relevant. Innerhalb von Deutschland werden die erspielten Werte automatisch per Software erfasst und eingerechnet. Nur im Ausland muss man die erzielten Ergebnisse selbst an den Heimatclub übermitteln.


Die EGA hat darauf bestanden, dass das maximale Handicap weiterhin bei 54 liegt. Nationalverbände können auch zukünftig entscheiden, ob der Anstieg eines Handicaps bei einem bestimmten Wert gestoppt wird. Der Deutsche Golf Verband (DGV) setzt diese Marke unverändert bei 26,5 fest. Oberhalb dieser Grenze kann man sein Handicap nur verbessern. Wurde einmal diese Grenze unterschritten, erhöht sich das Handicap höchstens wieder auf 26,5. Beide Regelungen gelten nicht, wenn man selbst begründet eine Heraufsetzung wünscht. Die Handicap-relevanten Spielformate ändern sich nicht. Ausgewertet werden das Einzel-Zählspiel, das beliebte Zählspiel nach Stableford, der Maximum Score und die selten gespielten Par- oder Bogey-Spiele. Auch auf die zunehmend gern genutzten Handicap-relevanten Runden über neun Löcher muss man nicht verzichten.


Wie schon früher bestimmen auch Course-­Rating- und Slope-Werte, also die Schwierigkeit des Platzes, die Kalkulation des Handicaps. Und wie gewohnt wird vor der Runde je nach Abschlag, Geschlecht und Handicap eine individuelle Spielvorgabe für den zu spielenden Platz ermittelt. Die heißt jetzt Course Handicap. Der Extra Day Score (EDS-Runde) firmiert nun unter gleichen Bedingungen als registrierte Privatrunde. Andere private Runden werden auch weiterhin nicht zur Berechnung des Handicaps herangezogen.


Fitnessübungen für ein gesünderes Golfspiel
Keine Frage: Golfen ist grundsätzlich eine gesunde Sportart, man fördert dadurch seine Fitness und trainiert das Herz-Kreislaufsystem. Schließlich ist man bei einem 18-Loch-Spiel in der Regel zwischen vier und sieben Kilometern unterwegs. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn die Verletzungsgefahr spielt – wie bei jedem Sport – immer mit. Ob Take-Away, Down-Swing, Forward-Swing oder Follow-Through: Beim besonders kraftaufwendigen Abschlag werden Wirbelsäule, Bandscheiben sowie Rücken-, Gesäß- und Beinmuskulatur sehr strapaziert. Schließlich kommt die Kraft beim Golfschwung nicht allein aus der Armmuskulatur.


Um Verletzungen zu vermeiden, gleichzeitig aber auch die – neben der Technik – für einen guten Golfschwung entscheidende Fitness zu fördern, hat der DGV im Rahmen seines Projekts „Golf & Gesundheit“ gemeinsam mit Maximilian Kieffer, European-Tour-Spieler und Mitglied des Golf Team Germany, 21 spezielle Übungen entwickelt und in einer Broschüre zusammengefasst. Allesamt können sie mit sehr einfachen Hilfsmitteln auch zu Hause durchgeführt werden und eignen sich für jedes Alter und jede Handicapklasse. So hat auch „Let‘s dance“-­Juror Joachim Llambi durch das Training mit Max Kieffer erfahren, dass Fitness ein wesentlicher Erfolgsfaktor für gutes Golfspiel ist. Die Broschüre enthält nicht nur genaue Anleitungen, wie die Fitnessübungen auszuführen sind, sondern auch zahlreiche Hintergrundinformationen. Beispielsweise darüber, welche Übung bei welchem Schwungfehler hilft.


Insgesamt gibt es drei Trainingsbereiche mit jeweils sieben Übungen. Das Muskel-Längen-Training verbessert die aktive Beweglichkeit, die Muskelleistung bei hohen Geschwindigkeiten und den Flüssigkeitstransport im Körper. Das wiederum reduziert Schwungfehler und vergrößert das Potenzial für höhere Schlägerkopf geschwindigkeiten. Hierzu trägt auch das Spezial-Kraft-Training bei, es entlastet ­außerdem die Gelenke und erhöht die muskuläre Ausdauer. Das Stabilitäts-Training schließlich dient ebenfalls zur Steigerung der Schlägerkopfgeschwindigkeit, darüber hinaus erhöht es die Widerstandsfähigkeit von Muskeln, Bändern und Sehnen. Die Broschüre gibt es in den Mitgliederclubs und -anlagen des DGV sowie als Download im DGV-Serviceportal.


Neben dem Thema Fitness steht übrigens auch die golfspezifische Ernährung im ­Fokus von Golf & Gesundheit. Ein Ernährungsleitfaden, entwickelt in Zusammenarbeit mit Lena Kadlec, Ernährungsberaterin, Referentin der Sporternährung (Olympiastützpunkt Rheinland) und Dozentin an der Deutschen Sporthochschule Köln, beschäftigt sich mit dem Thema Ernährung von Golf-Anfängern und -Fortgeschrittenen – und zwar vor, während und nach der Runde mit Blick auf die spezifischen mentalen und physischen Anforderungen des Sports. Damit bietet der Leitfaden auch eine ideale Grundlage, sich mit einer grundsätzlich ausgewogenen und gesunden Ernährung tiefergehend zu beschäftigen.