Montag, 26 Febuar 2024

Die Kunst des Genießens

Wie genießt man richtig?

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(Foto: © Song_about_summer – stock.adobe.com)

In der heutigen Zeit ist unser Alltag von vielen negativen Sinneseindrücken, Hektik und Stress geprägt. Positive Emotionen wie Freude, Lachen, Wohlfühlen, Entspannung, Tagträumen und kleine Glücksmomente kommen oft zu kurz. Dabei steht eine Tatsache ohne Zweifel fest: Wer genießen kann, hat mehr vom Leben! Doch was ist eigentlich Genuss? Wie genießt man richtig? Und kann man das erlernen? top magazin beantwortet Ihnen diese Fragen … darum lehnen Sie sich zurück, machen Sie es sich gemütlich und genießen Sie diesen spannenden Ausflug in die Welt der Genüsse.

 

Der im Jahr 1944 geborene Franziskaner und promovierte Sozialwissenschaftler Peter Amendt hat einmal gesagt: „Wer sein Leben zu genießen weiß, ist auch selbst zu genießen!“. Hinter dieser Behauptung steckt mit Sicherheit eine Menge Wahrheit – allerdings wird Genuss von jedem von uns unterschiedlich und subjektiv wahrgenommen. Wenn man einmal Wikipedia bemüht, dann findet man dort die Definition, dass Genuss eine positive Sinnesempfindung ist, die mit körperlichem und/oder geistigem Wohlbehagen einhergeht. Auch das ist noch eine sehr allgemeine Formulierung, denn viele Menschen verbinden Genuss in erste Linie mit den gustorischen und olfaktorischen Reizen – also mit dem Geschmacks- und Geruchssinn. Aber genießen ist viel mehr als das:

 

Es ist alltäglich und eine natürliche Reaktion des Menschen und sollte nicht mit Konsum gleichgesetzt werden. Wenn uns etwas gefällt, wir etwas gerne machen oder uns etwas schmeckt, genießen wir es automatisch. Außerdem bedarf es keiner besonderen Ereignisse, um Genuss zu erfahren, denn jeder einzelne Tag bietet viele Quellen dafür. Jedoch fällt vielen Menschen das Genießen nicht leicht, sie haben es im stressigen Alltag zwischen den Anforderungen von Beruf, Familie und Freunden verlernt. Um wirklich zu verstehen, was es heißt, zu genießen, müssen wir uns einmal die sieben goldenen Regeln für ein genussvolles Leben anschauen.


1) Genuss braucht Zeit!
Umso mehr Aufmerksamkeit man einem bestimmten, für sich persönlich wichtigen, Genussmoment widmet, desto mehr und schneller kann man seine eigenen Akkus wieder aufladen. Denn Genuss hat sehr viel mit Entspannung zu tun und funktioniert nicht von einem Moment auf den anderen – und schon gar nicht mitten in der Hektik des Alltags. Um genießen zu können, muss man sich Platz und Pausen schaffen und bewusst Zeit für die eigenen persönlichen Genussmomente nehmen. Diese Momente müssen nicht unbedingt lange sein. Im Gegenteil, oft reichen schon ein paar Minuten aus, um seine persönliche Entspannung zu erleben.


2) Genuss muss erlaubt sein!
Nicht jeder Mensch hat automatisch gelernt, was es heißt, zu genießen. Wer beispielsweise in einem Umfeld aufwächst oder aufgewachsen ist, in dem Leistungsdruck herrscht und Genuss ein Tabu ist, muss erst einmal lernen, wie genießen funktioniert. Und vollkommen kontra­produktiv sind für diesen Prozess Lebens­weisheiten wie: Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Denn es muss heißen: Je mehr man leistet, desto mehr hat man seinen individuellen Genussmoment verdient. Wer dazu neigt, sich in Zeiten von erhöhtem Druck weniger zu gönnen, beraubt sich so auch automatisch wichtiger Ressourcen und Lebensqualität.


3) Genuss geht nicht einfach so nebenbei!
In der Tat erfordert wirklicher Genuss die volle Aufmerksamkeit und Zeit und kann nicht neben anderen Aktivitäten erlebt werden – ein Genusserlebnis braucht die ungeteilte Aufmerksamkeit. Dafür ist es notwendig, anhand unserer fünf Sinne zu erkennen, in welchen Momenten und Situationen wir Genuss empfinden oder Zugang zu angenehmen Erinnerungen bekommen.


4) Weniger Genuss ist mehr Genuss!
Ein Überangebot an bestimmten Dingen oder Reizen ist bekanntlich niemals gut. Und auch beim Thema Genuss gilt diese Regel. Lieber mal zwischendurch bestimmte Dinge genießen und darauf achten, dass Genussmittel etwas Seltenes und Einzigartiges bleiben.


5) Wissen und aussuchen, was einem gut tut!
Jeder Mensch ist anders und hat andere Vorlieben. Wer es zum Beispiel liebt, sonntags lange zu schlafen, sollte das auch tun. Mit steigender Genussfähigkeit steigt in der Regel nämlich auch die Lebenszufriedenheit.


6) Kein Genuss ohne Erfahrung!
Wer kennt das nicht: Oftmals sucht man sein Glück in bestimmten Dingen, die einem schon mal Genuss und Freude beschert haben. Doch unser Empfinden und unsere Wahrnehmung verändern sich im Laufe der Zeit. Was wir vor ein paar Jahren noch ausnahmslos genossen haben, kann uns heute schon nicht mehr zusagen oder etwas, das früher undenkbar war, wird plötzlich zum Genuss.


7) Genuss ist alltäglich!
Um Genuss zu erfahren, braucht es keinen bestimmten Zeitpunkt oder spezielle Ereignisse. Ganz im Gegenteil: Genuss ist allgegenwärtig und sogar der Alltag hat viele Genussquellen zu bieten, denn genießen zu können ist eine bestimmte Lebensphilosophie, die jeder für sich selbst erlernen kann.


Welche Arten und Unterschiede von Genuss gibt es?
Für uns moderne Menschen ist es heutzutage beinahe unvorstellbar, aber Genussmittel wie Kaffee, Tee, Tabak und Schokolade gehörten noch vor einigen Jahrzehnten nicht zum Alltag. Vielmehr waren diese meist den oberen Schichten als Luxusprodukte vorbehalten. Erst mit dem Beginn des weltumspannenden Handels war es auch den Normalsterb­lichen möglich und vergönnt, diesen begehrten Genussmitteln zu frönen. Und wenn man heutzutage alle Formen von Genuss versuchen würde zu erläutern, dann wäre das wohl eine schier unendliche Auflistung.

 

Am meisten wird Genuss aber derzeit mit dem Thema Essen und Trinken in Zusammenhang gebracht. Das beweist auch eine bis heute einmalige Studie des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie, die zwar schon im Jahr 2011 erhoben wurde, an deren Ergebnis sich aber im Lauf der Jahre kaum etwas verändert haben dürfte: 68 Prozent der befragten Personen brachten damals Genuss hauptsächlich mit Essen und Trinken in Verbindung, für 14 Prozent war Freizeit ein Genuss. Alle anderen Genussaspekte wie zum Beispiel Partnerschaft und Sex, Gesundheit, Sport oder Spaß bildeten mit nur wenigen Prozentpunkten das Schlusslicht.

 

Seit einigen Jahren weiß man aus medizinischen Untersuchungen, dass es beim Genießen auch geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. So ist zum Beispiel das Genussempfinden von Frauen differenzierter, ausgeprägter und anspruchsvoller als das der Männer. Als Grund dafür gilt die unterschiedliche Erziehung beider Geschlechter. Genussunterschiede gibt es allerdings auch regional: Allgemein gelten in Deutschland die Rheinländer am genussfähigsten, während die Norddeutschen am unempfänglichsten für Genüsse sind.


Wie genießt man richtig?
Genuss gilt heutzutage als ein essenzieller Teil der Selbstfürsorge und wirkt sich in der seelischen Balance von uns allen aus. Aus der Psychiatrie ist bekannt, dass Menschen mit Schmerzen, Depressionen und Essstörungen sehr oft ihre Fähigkeit zu genießen verloren haben. Darum gibt es einige Kliniken, die spezielle Genussgruppen anbieten, in denen die Teilnehmer lernen, wieder zu genießen. Ein allgemeines Patentrezept, um zu erlernen, wie man richtig genießt, gibt es aber leider nicht. Am besten ist es allerdings, seine fünf Sinne – Riechen, Tasten, Sehen, Schmecken und Hören – zu nutzen.

 

Dazu muss man herausfinden, was einen befriedigt und zufrieden stellt. Und je öfter man sich genüsslichen Momenten hingibt, desto mehr versteht man es zu genießen, Kraft zu schöpfen und Energie zu tanken. Schon der italienische Schriftsteller, Demokrat und Dichter Giovanni Boccaccio, der von 1313 bis 1375 lebte, hat das erkannt und einmal gesagt: „Es ist besser zu genießen und zu bereuen, als zu bereuen, dass man nicht genossen hat!“
Boris Mönnich