Mittwoch, 24 April 2024

Einmal um die Welt wandern…

und dabei das Sauerland nicht verlassen, denn hier kann man sich auf knapp 40.000 km ausgeschilderten Wanderwegen buchstäblich tot wandern. Aber was macht die Wanderrouten im Sauerland so einzigartig, besonders und spannend? Hier bekommst du einen Einblick in die Sauerländer Wunderwanderwelten!

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(© Sauerland-Tourismus e.V.)

Sucht man nach vielfältigen Wandergebieten in Deutschland, sticht das Sauerland mit seiner vielfältigen Flora und Fauna besonders in Erscheinung. Angesichts der schieren Größe der Region (mit beinahe 4.500 Quadratkilometern sind „wir“ sogar größer als Mallorca) und der geografischen Beschaffenheit mit Tälern, Hügeln und Bergen sind „von Natur aus“ unverkennbare Wanderwege, Routen und Trekkingtouren entstanden.
Neben Routen in malerischen Tälern können Wanderlustige auch bis zu knapp 850 Meter hoch auf den Langenberg (gleichzeitig der höchste Berg in ganz NRW) hinauf. Und wo wir gerade dabei sind: Wusstest du, dass es die deutsche Lust am Wandern sogar bis in die englische Sprache geschafft hat? Mit dem Begriff „wanderlust“ drückt man genau das in der englischsprachigen Welt aus.
Sauerländer Wanderdörfer und Qualitäts-Wanderwege
Nicht nur die Natur und ihre Schönheit zeichnen die heimischen Wanderstrecken aus! Auch von offizieller Stelle wurde der Rothaarsteig 2018 als erste und zugleich größte „Qualitätsregion Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet. Um diese Auszeichnung vom Deutschen Wanderverband verliehen zu bekommen, müssen höchste Ansprüche in Bezug zur Beschaffenheit der Wege, Touristeninformationen (Schilder mit Informationen zum Streckenprofil, dem Verlauf der Tour u. v. m.), Service (Wanderkarten, geführte Wanderungen etc.) und Gastgebern (Hotels, Ferienwohnungen etc.) erfüllt sein. (Quelle: wanderbares-deutschland.de/regionen/qualitaetsregionen, Stand: 26.09.2022).
Er ist zudem ein Teil der „Sauerländer Wandergasthöfe“. Doch was ist damit genau gemeint? Es handelt sich dabei um den Zusammenschluss von elf Kommunen bzw. über 280 kleinen Dörfern und Orten, welche entlang von Wanderrouten gelegen sind und einen ausgeprägten touristischen Fokus auf Wanderungen legen. Das spiegelt sich nicht nur in der Zahl der Routen, sondern auch im Service-Angebot von der Hotellerie bis zum Gastrogewerbe wider. An diesen Orten können Wanderer also sicher sein, im Rahmen ihrer Reise immer gut einkehren, nächtigen oder speisen zu können.


Empfehlungen für Fans langer Wandererlebnisse
Das Herzstück dieses Verbunds ist der Rothaarsteig: Auf insgesamt 154 Kilometern kommen Naturliebhaber und Sightseeing-Enthusiasten voll auf ihre Kosten. Durch zahlreiche Rastplätze, Ruhebänke oder Waldsofas sind dort viele Verweilmöglichkeiten gegeben, an denen man die Natur mit allen Sinnen erfahren kann. Genau daher stammt auch der „Spitzname“ des Rothaarsteigs, der von manchen auch als „Weg der Sinne“ tituliert wird. Möchte man die gesamte Strecke bestreiten, sollten für allen Etappen etwa 44 Stunden eingeplant werden.
Es soll lieber hoch hinausgehen? Das ist insbesondere mit dem „Sauerland-Höhenflug“ möglich. Dabei handelt es sind nicht etwa um ein Flugangebot, sondern um eine zertifizierte Wanderroute mit besonders vielen Aussichtstürmen. Auf sage und schreibe 250 Kilometern erstreckt sich der Höhenflug, welcher in elf oder zwölf Tagesetappen bestritten werden kann, von Meinerzhagen im Westen des Sauerlands bis nach Korbach im östlichen Sauerland/westlichen Hessen. Naturhighlights dieser Strecke sind unter anderem die Ebbemoore nahe den Nordhelle-Hängen oder die „Medebacher Bucht“ als Vogelschutzgebiet.
Wer besonders an den Sagen und Mythen des Sauerlands interessiert ist, sollte sich die 240 Kilometer lange Sauerland-Waldroute von Iserlohn nach Marsberg vornehmen. Entlang von Mooren, Bachschwinden und kleinen erhaltenen Urwäldern können geneigte Wanderer dank 16 Informationstafeln unter dem Motto „Zauberhaft mystisch“ in fremde Welten eintauchen. Dieses Erlebnis für Körper und Geist kann außerdem durch den 360°-Rundumblick auf dem etwa 35 Meter hohen Lörmecke-Turm gekrönt werden.


Die Sauerländer Wandergasthöfe und ihre Vorzüge
Solche etappenstarken Wanderrouten sind in den meisten Fällen für mehrere Tage ausgelegt. Dank der Sauerländer Wandergasthöfe, einem Verbund vieler Hotels und Gasthöfe rund um beliebte Strecken, ist das etappenmäßige Bestreiten solch großer Touren problemlos und komfortabel möglich. Auch hier unterliegen die ausgezeichneten Gasthöfe festgelegten Kriterien, welche die hohen Qualitätsstandards garantieren: Damit Ausflügler sich auf einen hohen Dienstleistungs- und Servicestandard verlassen können, muss ein Sauerländer Wandergasthof eine direkte Anbindung an das hiesige Wanderwegenetz haben, familiengeführt sein, 10 bis 50 Zimmer haben, im Sauerländer Ortsbild mit der typischen Architektur gelegen sein und unter anderem geführte Wanderungen oder Wander-Treffs anbieten. Außerdem werden ein Frühstück nach dem Übernachten und sowie Lunchpakete für die weitere Reise angeboten.
Am Hennesee in Bestwig finden Wanderer zum Beispiel gleich mehrere dort ansässige Wandergasthöfe vor. Im Rahmen des „Bestwiger Panoramawegs“ können Familien, Einzel- oder Gruppenwanderer auf knapp 56 Kilometern die weite Aussicht über das grüne Sauerland genießen. Das ist auch aufgrund seiner Lage in der hiesigen Mittelgebirgsregion mit einer Höhe von bis zu 710 Höhenmetern möglich. Die gesamte Etappe mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten dauert etwa 16 Stunden. Ein besonders einzigartiges Highlight dieser Tour ist die „Plästerlegge“, welche den einzigen natürlichen Wasserfall am Nordrhein darstellt.


Vergangenheit erfahrbar machen auf den „Sauerland-Spuren“
Auch die Kultur und Geschichte des Sauerlands ist Dreh- und Angelpunkt mancher Wanderstrecken. Ein gutes Beispiel dafür ist der Bergbauwanderweg in Ramsbeck: Dort können Wanderer auf kürzerer Strecke anhand von 38 Informationstafeln, Pulten, Denkmälern oder Stollen in die Historie des Sauerländer Erzbergbaus eintauchen. Diese Route ist Teil der sogenannten „Sauerland-Spuren“, einer Gruppe von größtenteils zertifizierten Wanderwegen, welche geschichtliche oder kulturelle Aspekte des Sauerlands erfahrbar machen. Viele dieser Wanderwege sind familienfreundlich und gleichzeitig informativ, was sie vor allem für sehr wissbegierige Naturfreunde interessant macht. Sowohl passionierte Wanderer mit viel Erfahrung als auch reine Gelegenheitswanderer können unter diversen Tages- oder Halbtages-Touren ihre favorisierte Strecke wählen.
Besonders praktisch: So manche Wanderrouten lassen sich dank ihrer direkten Nähe miteinander verbinden. Wer beispielsweise eine Tour auf dem Rothaarsteig geplant hat, kann auch dem nahe gelegenen Sorper Panoramapfad einen Besuch abstatten. Auf dem etwa 12,6 Kilometer langen Weg entlang eines Naturpfades (Dauer circa 3¾ Stunden) durch Dörfer und altertümliche Steinbrüche können sogar zwei Kunstschmieden bestaunt werden. Eine Alternative ist der Panoramaweg Diemelsee, welcher auf knapp zehn Kilometern rund um den See und seine Talsperre bis hoch zum St.-Muffert-Gipfelkreuz führt und in einer malerischen Aussicht mündet.
Wildtier-Liebhaber können auf dem Naturerlebnisweg bei Bad Sassendorf-Ostinghausen nicht nur eine bunte Mischung die letzten Überreste des regionalen Niedermoores, Teiche oder Röhrichte bestaunen, sondern auch heimische Wasserbüffel oder Vögel in ihrem Lebensraum beobachten. Ein weiteres Highlight der Sauerländer Wandergebiete ist der Themenweg „Grüne, Grüner Bachtal, Lössel“. Hier geht es allerdings nicht hoch hinaus, sondern in das Erdreich hinein: Die Besichtigung der 1868 entdeckten Dechenhöhle in Iserlohn-Letmathe mit ihren teils über Jahrhunderte entstandenen Tropfsteinen ist ein besonders eindrucksvolles Naturerlebnis.


Auch das Trekking hält Einzug im Sauerland
Wenn man die Definition von „Trekking“ im englischen Cambridge Dictionary nachliest, erfährt man, dass es dabei um das Zurücklegen einer längeren Distanz per pedes und zum reinen Vergnügen geht. Das ist nicht falsch, aber trifft den Kern nicht ganz. Häufig werden die Begriffe „Wandern“ und „Trekking“ synonym zueinander verwendet. Im engeren Sinne bedeutet „Trekking“ allerdings, dass man längere Strecken ohne feste Unterkünfte wie Hotels oder Gasthöfe zurücklegt. Üblicherweise sind Trekking-Begeisterte daher mit einem großen Rucksack inklusive eigener Zeltausrüstung und Reiseproviant für teils mehrere Tage unterwegs. Theoretisch ist auch eine Variante mit Pferden oder anderen Fortbewegungsmitteln wie Skiern oder dem Fahrrad möglich. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen „Wandern“ und „Trekking“: Beim Trekken ist man häufiger auch auf nicht offiziell ausgeschriebenen Wegen quer in der Natur unterwegs und oft auch länger als bei manchen Wandertouren.
Das Trekkingplatz-Angebot ist in NRW zwar noch relativ rar gesät, aber mit dem Trekking-Park Sauerland gibt es seit 2021 eine Möglichkeit, jeweils zwischen dem 01.04. und dem 15.11. auf neun buchbaren Trekkingplätzen bzw. -camps mit dem eigenen Zelt und selbst mitgebrachtem Proviant in der Natur zu übernachten. Dieser Zeitraum wurde gewählt, um der Sauerländer Tierwelt im Winter die nötige Distanz und Ruhe zu ermöglichen. Als ganzheitliches Naturerlebnis kann dort sowohl der 66 Kilometer lange Uplandsteig in Willingen als auch der nur unwesentlich kürzere Diemelsteig zu Fuß bezwungen werden. Auch im Rahmen des Naturpark Sauerland im Rothaargebirge gibt es sechs einladende Trekkingplätze an diversen Stellen. Je nach Belieben kann in direkter Bachnähe, inmitten von Laubbäumen im Wald, auf einem Hügel mit weiter Aussicht, im Tal oder in einem alten Fichten- und Buchenwald auf über 720 Höhenmetern gezeltet werden. Abgesehen von der eigentlichen Strecke können so zum Beispiel auch Sonnenauf- und -untergänge direkt in der Natur erlebt werden. Für beide Beispiele gibt es die Empfehlung, eine Wanderkarte im Maßstab 1:25.000 mitzubringen, um immer die Orientierung zu behalten.


Nie verirrt unterwegs dank der Sauerland-App
Abgesehen von klassischen Wanderkarten in Papierform können Wandernde im Sauerland auch digital den Überblick behalten. In der kostenlosen App kann sich jeder Nutzer seine individuelle Wanderroute aussuchen und so stets auf dem richtigen Pfad bleiben. Außerdem ist die App ein Tippgeber hinsichtlich nahe gelegener interessanter Orte wie Hotels, Gastronomie oder Sehenswürdigkeiten. Wer neben dem Sauerland auch an Wanderungen in der Nachbarregion Siegen-Wittgenstein geplant hat, kann die App ebenfalls dafür nutzen: Insgesamt besteht das digitale Informationsangebot aus über 1.800 Wanderwegen und mehr als 5.000 Tipps hinsichtlich Freizeitmöglichkeiten und anderen Urlaubstipps. Die „Sauerland-App“ ist sowohl im Android- als auch im iOS-Store downloadbar. Sie hilft auch dabei, alle Wanderwege in gleichbleibend hoher Qualität für alle Wandernden zu erhalten: Ist beispielsweise ein Schild verwittert, nicht mehr lesbar oder eine Beschädigung liegt vor, können Nutzer das ganz leicht über den App-internen „Mängelmelder“ weitergeben.


Tipps für familien­­freundliche Wanderrouten
Nicht nur Jugendliche oder Erwachsene finden im Sauerland schöne Wanderrouten vor. Auch zertifizierte kinder- und familienfreundliche Wege mit geringer Schwierigkeit und nicht allzu langer Dauer warten nur darauf, entdeckt zu werden! Beliebt ist beispielsweise der Bergwiesenpfad, welcher in Winterberg beginnt und auch dort endet. Auf knapp drei Kilometern können Familien ohne große Anstrengungen dort die Natur genießen. Verwunschener geht es am Hängeberg in Brilon-Olsberg zu: Auf dem ähnlich langen, etwa eineinhalbstündigen „Waldfeenpfad“ lernen Kinder direkt in der Natur, wie wichtig die Pflege und Erhaltung des Ökosystems Wald ist. Durch Schilder und Infotafeln der „Waldfee“ erhalten Jung und Alt nützliche Informationen, die zum Nachdenken anregen.
Um die Aufmerksamkeit über die gesamte Strecke auch für die Jüngsten aufrechtzuerhalten, haben sich die Bewohner des Olsberger Stadtteils Helmeringhausen zusammen mit einheimischen Vereinen den kleinen „Vosspfad“ ausgedacht. In einer DreiviertelsStunde können auf zweieinhalb Kilometern Strecke 21 Stationen besucht werden, die alle verschiedene Aspekte der Natur und den Menschen als Teil davon beleuchten. Passend zum Fuchs, welcher als Maskottchen anhand von Schildern über den Weg führt, gibt es einen Fuchsbau, verschiedene Baumarten, Viehtränken und auch ausgefallenere Ideen wie eine Baumgitarre oder ein Baumtelefon zu bestaunen.
Schon gewusst? Gesundheitliche Vorteile von regelmäßigem Wandern
Regelmäßig zu wandern kann sehr gesund sein: Im Vergleich zum Joggen werden Gelenke schonender benutzt. Knochen, Sehnen sowie der Körper als solcher profitieren von der ergiebigen Bewegung. Trainierte Beinmuskeln tragen außerdem dazu bei, Knie und Hüfte zu entlasten. Je nach Dauer, Strecke und Begebenheit der Wanderroute kann das Atemvolumen gesteigert werden. Durch die regelmäßige ausdauernde körperliche Aktivität profitiert auch das Herz-Kreislauf-System: Der Körper gewöhnt sich an die Bewegung und lässt den Blutdruck nicht zu sehr steigen.
Regelmäßige Wanderungen eignen sich zudem hervorragend als Krankheitsprophylaxe. Dank der Aktivität durch die Bewegung fällt es dem Körper leichter, unerwünschte Zellen schneller abzubauen und das eigene Immunsystem zu trainieren. Zudem wird die Gewichtsabnahme erleichtert, der Stoffwechsel und eine stärkere Durchblutung unseres Hirns angeregt – ganz zu schweigen von dem mentalen und seelischen Wohlbefinden, welches sich unter anderem durch die Ausschüttung von Glückshormonen bei der körperlichen Aktivität einstellt.


Balsam für die Seele: Sauerland-Seelenorte
Auch die wohltuende emotionale seelische Wirkung von Wanderausflügen ist im Sauerland längst bekannt. An den sogenannten „Sauerland-Seelenorten“ finden Wandernde nachdenkliche Orte vor, die den Alltag vergessen lassen und zum Verweilen einladen. Die 42 ausgewiesenen Seelenorte können leicht über die Sauerland-Wanderdörfer erreicht werden – dabei handelt es sich um Täler, Seen, Grotten, Bergränder, Steinbrüche, Kirchen oder besonders auffällige Bäume, die sich perfekt zum Innehalten und Krafttanken eignen.
Diese zeitlosen Orte, die teilweise bereits vor Jahrhunderten Kraft und Ruhe gespendet haben, sind gern genutzte Möglichkeiten, um unseren schnelllebigen Zeiten für eine Weile zu entfliehen. Direkt an die Sauerländer Wanderdörfer angebunden, stellen sie eine leicht nutzbare Oase der Stille dar. Die Beispiele sind ebenso wie das Sauerland vielfältig: Da wäre beispielsweise die auf einer altertümlichen Kultstätte erbaute Wormbacher Kapelle zu nennen. Ein Ort der Erinnerung an die harte Arbeit der Sauerländer Bergarbeiter ist der Philippstollen in der Nähe von Brilon. Besonders naturbelassen sind die Almequellen im Mühlental: Dabei handelt es sich um einen Quellteich mit 104 Quellen, der innerhalb eines ebenso alten Laubwaldes in der Briloner Hochebene gelegen ist.  
Es lohnt sich also, die verschiedenen Seiten des Sauerlands durch das Wandern zu entdecken und gleichzeitig Körper und Geist etwas Gutes zu tun!